Moderation

Eine Auswahl:

Soja aus Brasilien, Hähnchenteile nach Afrika - welche Nachhaltigkeits- und Schutzregeln brauchen faire multi- und bilaterale Handelsvereinbarungen?

 


2020 stand das Global Forum for Food and Agriculture (GFFA), das vom 16. bis 18. Januar vom Bundesministerium für Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) in Berlin ausgerichtet wurde, unter dem Motto „Handel für alle! Handel für eine sichere, vielfältige und nachhaltige Ernährung“. Unter dieser Fragestellung hatten Brot für die Welt und das Forum Umwelt und Entwicklung zu einem Fachpodium auf der GFFA eingeladen. Die Panelisten waren gebeten worden, ihre Ideen vorzustellen, wie nachhaltige Agrarhandelsbeziehungen aussehen könnten, die Millionen KleinproduzentInnen zugutekommen, regionale Märkte schützen und dennoch fair Chancen auf internationalen Märkten fördern.

 

Mit Francisco Marì (BfdW), Karin Ulmer (Referentin beim internationalen protestantischen Netzwerk ACT Alliance EU),  Yvonne Takang, Expertin für Handelsfragen und Consultant); Antonio Inácio Andrioli (Vizepräsident der staatlichen Universidade Federal da Fronteira Sul, UFS, Brasilien);  Leonard Mizzi (Leiter des Referats Ländliche Entwicklung und Ernährungssicherheit bei der EU-Generaldirektion DEVCO)

 

 

 Eigener Text:

 

„Handel für alle! Handel für eine sichere, vielfältige und nachhaltige Ernährung“ – ja! Aber wie?

 

Während auf Plakaten draußen vor den Türen anlässlich der Eröffnung der Konferenz mit der umstrittenen brasilianischen Landwirtschaftsministerin, Tereza Cristina Corrêa da Costa Dias, vor den Folgen der aggressiven agroindustriell ausgerichteten Landwirtschaft in Brasilien gewarnt wurde, diskutierten drinnen geladene Expertinnen und Experten auf Fachpodien verschiedene Facetten zur Gestaltung einer neuen nach Agrarhandelspolitik, die sich an dem Nachhaltigkeitsziel 2: Zero Hunger – kein Hunger ausrichten muss.

 

 Soja aus Brasilien, Hähnchenreste nach Afrika – welche Nachhaltigkeits- und Schutzregeln brauchen multi- und bilaterale Handelsvereinbarungen mit Entwicklungsländern?

 

Unter dieser Fragestellung hatten Brot für die Welt und das Forum Umwelt und Entwicklung zu einem Fachpodium auf der GFFA eingeladen. Die Panelisten waren gebeten worden, ihre Ideen vorzustellen, wie nachhaltige Agrarhandelsbeziehungen aussehen könnten, die Millionen KleinproduzentInnen zugutekommen, regionale Märkte schützen und dennoch fair Chancen auf internationalen Märkten fördern. Zuvor aber ging es darum, die Fakten darzulegen, die die bestehende Marktstörung von EU-Agrareinfuhren und Exporten in und aus Entwicklungsländern veranschaulichen. Francisco Marí zeigte dies konkret an Grafiken zu Sojaimporten der Europäischen Union aus Brasilien und EU-Fleisch- und Milchexporte nach Afrika auf.

 

Brasilianische Realitäten

 

Prof. Antonio Andrioli, ein häufiger Gast in Berlin und ehemaliger Stipendiat von Brot für die Welt, arbeitet heuet an der Universidade Federal da Fronteira Sul (UFFS) im Süden Brasiliens, die sich schwerpunktmäßig mit nachhaltiger Landwirtschaft und Agrarökologie beschäftigt. Er beschrieb die fatalen Folgen der agroindustriellen und exportorientierten Landschaft unter dem Diktat einer einseitigen Wachstumsideologie, wie sie Brasilien derzeit erlebt. Bäuerliche Familienbetriebe könnten sich auf den fruchtbaren Böden Brasiliens nicht mehr halten können und hungern. Er sei es satt zu sehen, dass „Indigene, Kleinbauern und Landlose von ihrem Land vertrieben werden, damit immer mehr Soja angebaut werden kann“. Brasilianische Realität heute sei, dass das Agrobusiness nicht mehr nur auf die Regierung Einfluss nehme, sondern die Regierung sei. Man rede davon und handle danach, die Sojafläche von 38 Millionen Hektar um weitere 50 Millionen Hektar auszuweiten, man wolle neue Exportmärkte erschließen, man wolle wachsen. Um jeden Preis. Doch Landraub und Rodung der Wälder seien nicht nur dem extensiven Anbau von Soja geschuldet. Auch der Vormarsch des Zuckerrohranbaus zur Ethanol-Gewinnung hält an, meinte der Agrarfachmann. Man müsse aber schnellstmöglich „raus aus Futtermittelfalle“ und sich fragen, ob wie weltweit immer mehr Autos brauche.

 In scharfen Worten kritisierte Andrioli auf dem GFFA-Panel und als Redner bei der auch auf von Brot für die Welt unterstützten „10 Jahre Wir haben es satt!-Demo“ am 18. Januar in Berlin die aktuelle brasilianische Regierung, die Menschenrechte - und Umweltschutz und Klimaschutz „mit den Füßen tritt“: Mit einer solchen Regierung dürfe man kein Freihandelsabkommen abschließen. Worte, die bei Tereza Cristina, flapsig „Königin der Agrargifte“ gescholten, die beim Auftaktpanel der GFFA gesprochen hatte, wohl abprallen werden. Die frühere Agrarlobbyistin setzt auf eine intensive wirtschaftliche Nutzung und scheut auch vor der großflächigen Verwendung von „Ackergiften“ nicht zurück. Nehme man Ernährungssouveränität ernst, so Antonio Andrioli, müsse Brasilien die Kleinbauern unterstützen und auf den Anbau anderer gesunder Agrarprodukte wie Maniok, schwarze Bohnen etc. umstellen. Es sei zudem höchste Zeit, die Bauern auf beiden Seiten des Atlantiks nicht weiter gegeneinander aufzuhetzen und dass diese ihre gemeinsamen Interessen im globalen Widerstand gegen die Macht der Agrarlobbyisten erkennen müssten.

 

Afrikanische Realitäten? Von Brasilien nach Kamerun.

 

Yvonne Takang, die Aktivistin einer kamerunischen Bürgerrechtsbewegung ist als Gesicht der „Anti Chicken Campaign“ bekannt geworden ist. Was beim Import von billigen Hähnchenteilen aus europäischer Aufzucht noch gelang, nämlich mühsam den einheimischen Markt für Hühner zu erhalten, sei jetzt nicht mehr möglich. Unkontrollierte Mengen an Nahrungsmittelimporten von Weizen, Reis, Tomaten drängten mit Wucht in ihr Land und würden die Kleinindustrie und Landwirtschaft existentiell bedrohen. Die Erfolgsgeschichte beim Hühnerfleisch aus der EU, Importe zu stoppen und die lokale und regionale Aufzucht eines schmackhaften Huhns zu fördern, sei nur gelungen, indem man trickreich die Marktöffnungsvorschriften der Handelsabkommen umgangen hätte. Die Expertin für Handelsfragen und Ernährungssicherheit erklärte, dass eine vernünftige Regulierung von Importmengen oder gar ein Importstopp durch die Regierung nach der Ratifizierung des bilateralen Wirtschaftsabkommens zwischen der EU und ihrem Land, Kamerun, nicht mehr möglich sei. Weiterhin kämen billige und oft ungesunde Nahrungsmittel auf den Markt. Schlecht oder gut für den Verbraucher und die Verbraucherin? Takang gab sich optimistisch, langfristig würde auch der Verbraucher in Kamerun stärker nach gesunden Nahrungsmitteln nachfragen und kein Milchpulver aus dem Westen mehr konsumieren wollen. Wichtig sei im Sinne von Ernährungssouveränität sich auf einen Prozess der „Dekolonisierung“ beim Essen einzulassen.

 

Karin Ulmer, Referentin beim internationalen protestantischen Netzwerk ACT Alliance EU (vormals APRODEV), spezialisiert auf die Handels- und Agrarpolitik der EU, hatte zuvor aus entwicklungspolitischer Sicht eine Schieflage beschrieben: Die Investitionspläne europäischer Milchkonzerne in Westafrika zeigten beispielsweise, dass im westafrikanischen Markt nach neuen Konsumenten Ausschau gehalten werden, die im afrikanischen Land verarbeitete Milchprodukte anbieten wollen auf der Basis dorthin exportierter Milchpulvers. Wie lassen sich solche schädlichen Effekte im Handel mit zurückdrängen und lokale Märkte stärken, richtete sie ihre Frage an den Vertreter der EU.

 

Antworten aus Brüssel

 

Dr. Leonard Mizzi ist Referatsleiter bei der EG DEVCO, also bei der Europäischen Kommission in Brüssel zuständig für ländliche Entwicklung und Ernährungssicherheit zuständig. Auch er bestätigte, dass die afrikanischen Verbraucher günstige Lebensmittel, die in ihr Land kommen, kaufen und diese Option auch zukünftig wollen. Er plädierte für Qualitätsstandards im Handel, und zwar bindende, weil freiwillige nicht viel bringen, aber auch er war kein Befürworter einer weiteren noch Marktöffnung – auch nicht im Falle Kameruns. Kernpunkt seiner Argumentation war, dass man die Schuld für die prekäre Lage vieler Kleinbäuerinnen in Afrika aber nicht allein der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU und ihrer Handelspolitik in die Schuhe schieben könne. Auch in Afrika gäbe es unterschiedliche Interessen und Akteure, die nicht nach außen mit einer Stimme sprächen. Man müsse mittelfristig im gemeinsamen europäisch-afrikanischen Dialog nach Wegen und Mitteln suchen, um nachhaltiges Wachstum in einer erfolgreichen kleinbäuerlichen Produktion zu erreichen. Das sei der Kern der europäischen Politik für landwirtschaftliche Entwicklung und Ernährungssicherheit.

 

So gesehen müsste die EU-Agrarhandelspolitik (unter dem Dach eines verbindlichen neuen multilateralen Handelsrahmens) Antworten auf die Krise des ländlichen Raums in Brasilien und Afrika und der dortigem bäuerlichen Betriebe anbieten, anstatt sie weiter zu verschärfen. Wie genau das gehen kann, davon war auf dem Panel zu wenig die Rede. Klar war, so kann es nicht weitergehen! Was wir brauchen, fasste Jürgen Maier vom Forum für Umwelt und Entwicklung zusammen, ist „ eine Balance zwischen internationalem Handel und lokaler bzw. regionaler Produktion, denn wenn lokale Produktion kaputtgeht weil sie vom internationalen Handel an die Wand gedrückt wird, dann ist diese Balance gestört, und dann müssen wir das Verhältnis zwischen Schutz von lokaler Erzeugung und internationalem Handel anders justieren.“

 

Die von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) kürzlich geforderte Neuausrichtung der Afrika-Politik der Europäischen Union, euphorisch „Green New Deal“ genannt, stellt einen neuen  und einen neuen Jahrhundertvertrag mit dem afrikanischen Kontinent in Aussicht. Handelspolitische Fragen gehören mit Sicherheit mit auf diese Agenda!

 

21.1.20

 

 

Antiziganismus und das Buchprojelt Mare Manuscha

Feindseligkeit, stereotype Wahrnehmungen und Vorurteile werden wach, wenn von "Zigeunern" gesprochen wird. Diese Ressentiments existieren in Europa seit Jahrhunderten und werden als Antiziganismus bezeichnet. Die Gäste auf dem Podium in Amt für multikulturelle Angelegenheiten gehören teils selbst der Minderheit der Roma und Sinti an. Sie tragen auf ganz eigene Weise zur Überwindung von Antiziganismus bei.

 

Armin von Ungern-Sternberg, der Leiter des Amts für multikulturelle Angelegenheiten vom Amka und Cornelia Wilß im Gespräch mit  Joachim Brenner, der Leiter des Fördervereins Roma e.V., der Fotograf Alexander Paul Englert, der Rapper Romeo Gitano, die Bürgerrechtlerin Ilona Lagrene. Der Hessische Rundfunk die Diskussion am 14. November mitgeschnitten. 

 

Staatsvertrag mit dem Land Hessen

"Seit dem Anfang der Bürgerrechtsbewegung Anfang der 1980er Jahre ist einiges erreicht worden“, betont Adam Strauß. „Dennoch bestehen auch weiterhin noch zahlreiche Bereiche, in denen sich etwas bewegen und verändern muss, insbesondere in den Bereichen Bildung, Wohnungsmarkt und gesellschaftlicher Anerkennung. Mit dem Staatsvertrag, welchen das Land Hessen und der Hessische Landesverband am 6. September 2017 unterzeichnet haben, sehen wir uns aber auf einem guten Weg.“


Es diskutierten am 16. September auf Einladung des hessischen Landesverbandes im Rahmen des Musik- und Kulturfestivals Deutscher Sinti und Roma in Darmstadt:
Norbert Kartmann, Präsident des Hessischen Landtags

Heike Hofmann, SPD, Rechtsexpertin im Hessischen Landtag

Romeo Franz, EU-Abgeordneter von Bündnis 90 / Die Grünen und selbst Angehöriger der Minderheit

Judith Šołćinae, Leiterin des Minderheitensekretariats in Deutschland

Dr. Frank Reuter, wissenschaftlicher Geschäftsführer der Forschungsstelle Antiziganismus an der Universität Heidelberg

Adam Strauß, Vorsitzender des Landesverbandes

Ein Tag für Menschenrechte

"Anlässlich des 25. Jubiläums des africa alive Festivals diskutierten afrikanische und europäische Menschenrechtler*innen über das Thema "Menschenrechte für alle, ohne Grenzen".  Was sind Ursachen, Erscheinungsformen der Erosion der Menschenrechte und wie formiert sich Widerstand gegen Menschenrechtsverletzungen? Wie können Menschenrechte besser geschützt werden? Welche Rolle kommt den Vereinten Nationen dabei zu?

Es diskutierten am 3. Februar 2019 auf Einladung von africa alive im Haus am Dom: Marc Engelhardt, Buchautor und Weltreporter, Genf; Thérèse Mema Mapenzi, Traumtherapeutin, Menschenrechtsaktivistin (Bukavu, DR Kongo); Emanuel Matondo, Journalist, Friedens- und Menschenrechtsaktivist, Angola/Köln; Dr. Ramona Lenz, Migrationsexpertin, medico international Frankfurt am Main; Prof. Dr. Wilfried Polte, Entwicklungsexperte, Köln und Jean Pierre Bekolo, Filmemacher.

Moderation: Abdou Rahime Diallo, Promotor für Migration und Entwicklung Land Brandenburg und Cornelia Wilß

 

Die Übersetzung übernahm Margrit Klingler-Clavijo.

 

Konferenz von Attac, Brot für die Welt, Germanwatch, KASA und Misereor am 11.5.2017 in Berlin


Afrikanische Experten und Expertinnen, die seit Jahren die Verhandlungen zwischen der EU und Afrikas zu den EPAs begleiten, VertreterInnen aus Wissenschaft, Politik und deutscher Zivilgesellschaft diskutierten bei einer Konferenz in Berlin über Vorschläge und Wege zu einer neuen handelspolitischen Rahmensetzung mit Afrika. Von links nach rechts: Ken Ukaoha, NANTs, Abuja; Prof. Dr. Helmut Asche, Mainz; Prof. Dr. Yash Tandon, SEATINI, Oxford; Dr. Cheich Tidiane Dieye, CACID/ENDA, Dakar

Ein anderes Meer ist möglich! Über die Grenzen des Blauen Wachstums und die Zukunft der Ozeane

Konferenz anlässlich des Europäischen Tages der Meere am 20.5.2014 in Bremen

 

Über die Zukunft des Meeresschutzes diskutieren (von links nach rechts) Stephan Lutter (WWF), Nadja Ziebarth (BUND), Prof. Dr. Uwe Jenisch (Walther-Schücking-Institut).


"Generation Change“

 

Diskussionsveranstaltung im Rahmen von africa alive Festival 2016 in Frankfurt

 

Die junge Generation in vielen afrikanischen Ländern findet sich nicht mehr mit überholten verkrusteten Machtstrukturen ab. Und auch nicht mit Machthabern, die seit Jahrzehnten verbissen an ihrem Posten festhalten: Sie strebt entschlossen nach demokratischen Veränderungen. Was bewegt die "Generation Change"? Diskussion mit dem kamerunischen Rapper Hobskur, dem Filmemacher Boubacar Sangaré aus Burkina Faso und der tunesischen Umweltaktivistin Karima Kerkeni.

Tatort Kongo – Prozess in Deutschland

Buchpremiere und Diskussion; 5. Mai 2016, taz-Café, Berlin

 

Die Autor*innen Dominic Johnson, Simone Schlindwein und Bianca Schmolze über die Verbrechen der ruandischen Miliz FDLR und der Versuch ihrer juristischen Aufarbeitung in Deutschland. Das Buch ist im Ch. Links Verlag in Berlin erschienen. Mehr erfahren...


„Es gibt Sachbücher, die sich wie Krimis lesen. Die von Dominic Johnson, Simone Schlindwein und Bianca Schmolze vorgelegte Schilderung der Verbrechen der ruandischen Miliz FDLR (Demokratische Kräfte zur Befreiung Ruandas) im Ostkongo ist von dieser Sorte.“ Mehr erfahren...


Das Freihandelsabkommen USA – EU – Was kommt wirklich?

Tagung des Arbeitskreises Internationale Landwirtschaft (AKIL) des Evangelischen Bauernwerks in Württemberg e.V. (28.11.2014)

 

Diskussion mit Prof. Dr. Reinhard Quick, Geschäftsführer Verband der chemischen Industrie e.V.; Wolfgang Reimer, Amtsleiter, Ministerium für ländlichen Raum, Stuttgart; Francisco Marí, Referent für internationalen Agrarhandel, Brot für die Welt, Berlin; Prof. Dr. Harald Grethe, Universität Hohenheim, Jürgen Kniersch, Referent für internationalen Handel, Greenpeace Deutschland.